„Was ist Seelsorge im heidnischen Bereich? Was kann sie sein, sollte sie sein und was klappt nicht?“ (Dr. Donate & Dr. Christopher McIntosh) –

Die Verdandihilfe ist ein Projekt, in dem Menschen aus dem paganen und heidnischen Bereichen untereinander Hilfe in besonderen Notlagen anbieten. Über due Erfahrungen beim Aufbau eines solchen Netzwerkes und dessen künftige Strukturen sprechen deren Gründer/innen Dr. Donte Pahne Mc Intosh und Dr. Christopher Mc Intosh.

Die Verdandihilfeist eine Privatinitiative von Leuten aus verschiedenen naturreligiösen Richtungen in Deutschland. Entstanden ist diese Initiative aus der Erkenntnis, dass es ein Bedürfnis nach freundschaftlich-spiritueller Unterstützung für naturreligiöse Menschen gibt, die sich in einer Krankheitskrise befinden.

Obwohl etliche von uns Profis im medizinischen oder therapeutischen Bereich sind, verstehen wir uns als eine spirituelle Privatinitiative unter Freunden, die keinesfalls eine ärztliche Behandlung oder Psychotherapie ersetzen kann und soll.

Die Zielgruppe unserer Initiative sind Leute, die sich als naturreligiös, pagan oder heidnisch verstehen und sich in einer Situation befinden, in der sie seelische Unterstützung aus der Perspektive ihres Glaubens brauchen. Für den Anfang beschränken wir unser Hilfsangebot auf Situationen von (körperlicher) Krankheit, Sterben und Tod. Die Verdandihilfe kann sich leider nicht um psychisch kranke Menschen kümmern.

Wir hören zu. Wir geben Mitgefühl. Wir kommen ins Krankenhaus. Je nach Bedürfnis bieten wir ein Gebet, einen tröstenden Text, ein kleines Ritual, eine Meditation oder ähnliches an.

Eine Zusammenfassung des Vortrages:

Verdandihilfe – Pagane Seelsorge

Vortrag von Dr. Christopher McIntosh und Dr. Donate McIntosh

Donate berichtete über den Werdegang des Projekts:

2015 traf sich eine Gruppe von paganen Leuten aus verschiedenen Gruppen und Vereinen, darunter der Verein für germanisches Heidentum, die Heidnische Gemeinschaft, die Reclaiming-Gemeinschaft, der Eladaring und die Pagan Federation International. Die Situation fehlender Seelsorge für Pagane in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen wurde diskutiert und das Projekt Verdandihilfe wurde gegründet, anfangs noch unter dem Namen „Verdandihilfe – Polytheistischer Beistand“. Die Gründungsgruppe erarbeitete Richtlinien für die Mitarbeit im Projekt sowie praktische Bögen zur Dokumentation von Klientenkontakten und anderes.

In einem zweiten Schritt wurde in der paganen Öffentlichkeit zur Mitarbeit aufgerufen, was auf große Resonanz stieß. In der ersten Mitgliederversammlung des Projekts wurden grundlegende Richtlinien des Projekts und die Gestaltung spezieller Klientenbögen verabschiedet sowie weitere praktische Verabredungen getroffen, wie z.B. die Einrichtung einer Website mit angeschlossenen Emailadressen der MitarbeiterInnen, spezifische Arbeitsabläufe und ähnliches. Die Struktur sah jährliche Mitgliederversammlungen vor, bei denen neben der Arbeit im Plenum auch neu Hinzugekommene eine Einführung in das Projekt erhalten sollten. Außerdem kam es zur Gründung des VerdandiRats, einer fünfköpfigen Lenkungsgruppe für spezielle Aufgaben wie IT, Öffentlichkeitsarbeit und ähnliches.

Die Resonanz auf das Projekt war ganz überwiegend positiv, und zwar sowohl innerhalb der paganen Szene als auch im interreligiösen Kontakt. Wie sich dann aber im weiteren Verlauf zeigte, war die Nachfrage nach unserem Angebot bei weitem nicht so lebhaft wie gedacht und erhofft.

Christopher griff den Faden auf und zog eine Bilanz des Projekts:

Auf der positiven Seite haben wir viel Resonanz unter den Heiden bekommen, wir haben ein tolles, sehr motiviertes Team zusammengestellt und über mehrere Planungstreffen ein sehr gutes System für die pagane Seelsorge entwickelt. Durch dieses Projekt sind viele unterschiedliche pagane Gruppen zusammengekommen und haben sehr harmonisch miteinander gearbeitet. Darüber hinaus hat das Projekt etwas Gutes für das Image und die Glaubwürdigkeit des Heidentums in Deutschland bewirkt. Eine Gruppe von Heiden in der Schweiz war begeistert von unserem Projekt und möchte dort etwas Ähnliches ins Leben rufen.

Auf der negativen Seite hatten wir nur zwei Klientinnen in fast zwei Jahren, obwohl wir viel Werbung für das Projekt gemacht haben (Flyers, Artikel in paganen Zeitschriften, Berichte bei paganen Webseiten usw.). Vermutlich liegt das Problem teilweise darin, dass wenn Pagane krank sind und Beistand brauchen, sie zuerst ihre Familie oder Freunde oder ihre eigene pagane Gruppe fragen. Ein größeres Problem liegt darin, dass das Heidentum in Deutschland generell nicht genügend bekannt ist. Infolgedessen werden bei der Seelsorge in den Krankenhäusern heidnische Patienten nicht berücksichtigt. Deswegen haben Christopher, Faye und Giefane am Anfang dieses Jahres eine Informationsaktion unter den Krankenhäusern in Berlin durchgeführt in der Hoffnung, dass wir sie überzeugen könnten, unser Angebot in ihre Information über Seelsorge miteinzubeziehen. Leider hat diese Aktion fast nichts gebracht. Bei den meisten kontaktierten Krankenhäusern sind wir auf völliges Unverständnis gestoßen oder haben erst gar keine Antwort bekommen. Mit anderen Worten: Es bedarf noch sehr viel Aufklärungsarbeit über den Paganismus in Deutschland.

Fazit: Durch die Verdandihilfe haben wir erfahren, wieviel Arbeit und Aufwand mit so einem Projekt verbunden sind. Das Ausarbeiten der Richtlinien hat uns dazu gebracht, über viele praktischen Fragen und Probleme nachzudenken, und wir haben dabei sehr viel gelernt. Darüber hinaus haben wir ein System und ein Netzwerk von sehr motivierten Leuten aufgebaut. Das alles kann eines Tages einmal wieder aktiviert werden – welche Form auch immer es dann annehmen mag.

Verdandihilfe – Pagan Spiritual Care

Presentation by Dr. Christopher McIntosh and Dr. Donate McIntosh

Donate gave a report on the project as follows:

In 2015 a meeting was held by representatives from various different groups and organisations, including the Verein für germanisches Heidentum (Association for Germanic Heathenry), the Heidnische Gemeinschaft (Heathen Community), the Reclaiming Community, the Eldaring and the Pagan Federation International. The focus of discussion was the lack of spiritual care for Pagans in hospitals, clinics and the like, and the outcome was that a project was launched, initially under the name “Verdandihilfe –  Polytheistischer Beistand” (Verdandihilfe – Polytheistic Support). The founding group drafted, among other things, a set of guidelines for active members of the project, as well as practical questionnaires for documenting information about clients.

As a second step, a call for cooperation in the project was issued among the wider Pagan community. This met with strong resonance. At the first general assembly of the project membership basic guidelines were developed and the client questionnaires were finalized. In addition, various other practical steps were agreed upon, such as formulation of a set of working procedures, the creation of a website linked to the email addresses of participants, and other such measures. It was envisaged that there would be an annual assembly of the members, which would include plenary working sessions as well as an induction for newcomers to the project. In addition a five-member steering group called the VerdandiRat (Verdandi Council) was created to take care of IT-related tasks, public relations and suchlike.

The reaction to the project was predominantly positive, both within the Pagan scene and in the interreligious context. However, it subsequently became apparent that the demand for our services was very far from being as lively as we had anticipated and hoped for.

Christopher took stock of what had been achieved:

On the positive side, we had received much resonance from the Pagan community, we had gathered a fine, highly motivated team and, in the course of several planning meetings, we had developed a very good system for Pagan spiritual care. Through the project many different Pagan groups had come together and worked very harmoniously with each other. Furthermore, the project had benefited the image and credibility of Paganism in Germany. A group of Pagans in Switzerland was greatly enthused by our project and would like to start something similar there.

On the negative side, we had had only two clients in almost two years, although we had done much publicity work for the project (flyers, articles in Pagan journals, reports on Pagan websites etc.). He suspected that the problem lay partly in the fact that, when Pagans are sick and need support, they turn first to their family and friends or their own Pagan group. But a larger problem was that Paganism is not sufficiently known in Germany. Consequently the hospitals, in providing spiritual care, do not take the needs of Pagans into account. For this reason, Christopher, Faye and Giefane at the beginning of this year carried out an information campaign among hospitals in Berlin. Unfortunately this bore very little fruit. Most of the hospitals they contacted reacted with complete lack of understanding or not at all. In other words, there is a need for a lot more information work about Paganism in Germany.

Looking at the balance sheet – through Verdandihilfe we have learned how much work and expenditure is involved in a project of this kind. The task of working out the guidelines forced us to think about practical issues and problems, and in the process we learned a great deal. Furthermore we have set up a system and a network of very motivated people. All of that can be reactivated at some time in the future – in whatever form it may take.